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Leitbild der Schwestern

Nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder (Matth 23,8).

Der Meister ist Jesus, wir alle sind Brüder und Schwestern in der Jesus-Bruderschaft. Otto Siegfried von Bibra hat uns den Namen Jesus-Bruderschaft zugesprochen. Jesus, Rufname des menschgewordenen Gottes. Dieser Name ist also nicht selber gewählt, sondern ein Geschenk mit einer tiefen Bedeutung. Er steht schützend und ausrichtend über uns und ist Wesensaussage unserer Berufung.

Es geht um die Menschwerdung Gottes in unserem Leben. Jesus, der Mensch, tiefste Erniedrigung und größte Nähe unseres Gottes. Von ihm, unserem Meister, wollen wir lernen, Mensch zu werden, die Offenheit der Liebe zu wagen, in Beziehung zu sein, innerlich und äußerlich verletzbar.

„In der Armut sollt ihr mich lieben!“

So lautet eine der ersten Prophetien für unsere Bruderschaft. Sie kann uns helfen, die Armut der Menschwerdung anzunehmen.

Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast (Joh17,21).

Als die ersten Geschwister sich zu einem verbindlichen Leben für die Einheit entschlossen, war der Bau der Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland ein erschütterndes Zeichen, dass sie dazu veranlasste, diesem Bollwerk der Trennung das Bemühen um Verbindung entgegen zu halten.

Jesus bittet den Vater um das Eins-Sein seiner Jünger. Um dieser Bitte willen, die wir täglich im Mittagsgebet aufgreifen, wollen wir in Spannungen, die aus unseren verschiedenen menschlichen und konfessionellen Hintergründen kommen, bewusst einwilligen. So wollen wir als Jesus-Bruderschaft gemeinsam die Offenheit bewahren für Menschen unterschiedlicher Prägungen und Denominationen.

Die Dreifaltigkeits-Ikone von Rubljev

hat unsere Spiritualität geprägt. Gott, der in sich selbst Beziehung ist, ist in seiner Dreieinigkeit Vorbild für unser gemeinsames Leben in der Jesus-Bruderschaft. Im Miteinander der drei Stände: Als Brüder, Schwestern und Familien, wollen wir uns in Achtung begegnen, das Gespräch im offenen Miteinander pflegen und uns mit unseren verschiedenen Gaben ergänzen.

Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten (Apg 2,42).

Gemäß dem Vorbild der ersten christlichen Gemeinde bemühen wir uns, das Leben zu teilen:

  • in der Feier des Abendmahles,
  • im Gebet,
  • im Hören auf das Wort Gottes,
  • in gemeinsamen Mahlzeiten und Gestalten von Festen,
  • in Freude und Leid.

Kontemplation und Aktion

Tut eure Arbeit gern, als wäre sie für den Herrn und nicht für Menschen; ihr wisst, dass ihr vom Herrn euer Erbe als Lohn empfangen werdet. Dient dem Herrn Christus (Kol 3,23+24)!

Das Wort, das in unserem Ring eingraviert ist, soll uns erinnern, dass wir uns in allem, was wir tun, von Herzen auf den Herrn Jesus Christus ausrichten wollen. Eine chassidische Weisheit kann uns inspirieren: „Henoch war ein Gerechter. Wie war er das: Indem er als Schuster arbeitete. Mit jedem Faden, den er durch das Leder nähte, verband er Himmel und Erde.“ Seit Gründung unserer Gemeinschaft hatte das Tun aus dem Hören eine große Bedeutung. Regelmäßige Zeiten der Stille gehören zu unserem Leben.

Leben nach den evangelischen Räten

Als zölibatäre Schwestern wollen wir nach den drei evangelischen Räten leben und sehen darin ein prophetisches Zeichen für Kirche und Welt.

  • Schlichtheit beinhaltet für uns Gütergemeinschaft in Offenheit und gegenseitiger Verantwortung;
  • mündiger Gehorsam;
  • die zölibatäre Berufung wollen wir als einen kostbaren Schatz bewahren, der uns locken kann, in Konzentration Gott zu suchen.

(Stand: 17.12.2005)